Australier – Immer freundlich und gut drauf?

Dieser Artikel hat, während ich ein bisschen recherchiert habe, einige Gemüter erhitzt und ziemliche Diskussionen ausgelöst. Ich habe es nämlich gewagt, in 3 verschiedene Australien Gruppen auf Facebook in etwa folgende Frage zu stellen: „Hattet ihr schon mal negative Erfahrungen mit Australiern?“ Insgesamt hatte ich einen kurzen Text verfasst in dem ich versuchte zu erklären, warum ich das wissen möchte, das hat nämlich einen Grund:

Auf jedem Australien Blog kann man lesen, wie toll, wunderschön und freundlich alles und jeder ist. Keine Frage, es ist toll und wunderschön und die Menschen sind tatsächlich freundlicher und besser gelaunt als z.B. in Deutschland. Selten aber findet man kritische Worte, es entsteht der Eindruck, dass man in Australien nie an schlechte Menschen gerät. Ich finde, dass man ruhig auch mal über das schlechte schreiben darf und ja, es nervt mich sogar manchmal, wenn ich Blogs von anderen lese, die alles hier in den Himmel loben (ich habe in meinen Facebook Post übrigens auch das Wörtchen „nervt“ erwähnt, wahrscheinlich hätte ich das weglassen sollen und deswegen ist es so ausgeartet… naja).

Gebracht hat mir diese Frage in die Gruppen und der ganze Aufruhr deswegen nicht viel, außer, dass ich jetzt weiß, dass die meisten Leute mit einer Rosaroten Brille umherlaufen und die Realität einfach verschönern (vor allem die Leute, die schon länger ausgewandert sind und garantiert schon mal an die eine oder andere Miesmuschel geraten sind). Viele haben auch gar nicht weiter gefragt was ich bezwecken möchte, sondern einfach mal unterstellt, ich würde einen „Anti-Australien“ Blog schreiben oder halt einfach negativ durchs Leben gehen. Aber egal, kommen wir zurück zum Thema…

Warum über negative Erlebnisse schreiben?

Ich finde einfach, dass es nun mal auch dazu gehört, dass man zu den schlechten Seiten steht und ich bin mir sehr sicher, dass jeder, der länger hier in Australien ist, schon mal jemanden getroffen hat der eben nicht nur nett und freundlich war, vielleicht wundern sich sogar einige Leute, dass nicht jeder Aussie sich so verhält, wie es all die Blogs behaupten. Wer unseren Blog kennt weiß, das auch wir fast nur positive Begegnungen hatten, manche sogar unglaubliche. Aber unter diesen ganzen Erlebnissen gab es doch ein paar wenige Ausnahmen und auch in verschiedenen Facebookgruppen liest man regelmäßig etwas über negative Erlebnisse. (Außerdem: Tanz aus der Reihe! 😉 Es wäre ja langweilig wenn wir wie alle anderen Blogs schreiben würden). Es geht in diesem Artikel nicht um die Schattenseiten Australiens, sonder nur um unschöne Begegnungen mit Australiern.

Kurze Warnung an alle, die nichts negatives über Australien/-r lesen und lieber ihre Rosa Brille behalten wollen: Bitte hier aussteigen. An die anderen: Viel Spaß! 😉

Ich behaupte einfach mal, dass gerade Backpacker mitunter die größte Gruppe ist, die schon mal etwas richtig blödes im Zusammenhang mit Australiern erlebt hat. Wir sind in vielen Backpackergruppen auf Facebook und da liest man teilweise echt grausige Geschichten… Im folgenden schreiben wir übrigens entweder von Sachen, die wir selbst erlebt haben oder die wir schon oft gelesen haben – wir denken uns das alles also nicht aus. Natürlich, das sollte klar sein, ist nicht jeder gleich und vielleicht sind diese Geschichten hier auch Ausnahmen – es soll kein „alle über einen Kamm scheren“ sein.

Arbeit

Der Bereich Arbeit ist wahrscheinlich der, in dem man am ehesten einem unfreundlichen Menschen begegnet. Wir selbst haben die Erfahrung gemacht, dass Australier, die ja „IMMER“ so gelassen und freundlich sind, während der Arbeit zu echten Cholerikern mutieren können. Da wird schon mal mit Beleidigungen um sich geworfen und geschrien. Wie war das nochmal mit „No worries“? Außerdem scheinen sie die Angewohnheit zu haben, viele Sachen anzufangen, aber nichts richtig zu Ende zu bringen. Bis irgendwann plötzlich der Termin näher rückt, an dem etwas fertig sein muss – dann muss es aber auch zack zack gehen. Dieses etwas chaotische System ist vielleicht für Außenstehende witzig, aber in Wirklichkeit artet es am Ende nur in Stress und Hektik aus. Wir haben uns jedenfalls schon öfter gefragt, wieso alles so läuft wie es läuft, aber langsam geben wir es auf, diese Logik zu verstehen… 😉

Nochmal zum Thema Choleriker: Es gibt Berichte von Leuten, die auf Gemüsefarmen gearbeitet haben. Am Anfang ist es nicht so einfach wie man es sich vorstellt und man ist noch nicht so schnell. Da kommt es schon mal vor, das man eine Tomate oder Paprika übersieht – das finden die Arbeitgeber natürlich doof und bewerfen einen mit eben diesen Früchten… Und wenn man Pech hat, ist man seinen Job am nächsten Tag los.

Wenn man als Backpacker Arbeit sucht, sollte man auch nicht unbedingt immer auf die Ehrlichkeit und Gutmütigkeit der Australiern setzen. Ich weiß nicht wie oft wir schon von Leuten gelesen haben, die zum Beispiel in ein sogenanntes „Working Hostel“ gezogen sind, weil diese Hostels versprechen, einem innerhalb ein paar Tagen Arbeit zu besorgen. Man kann natürlich in einem Hostel landen, wo das auch tatsächlich so ist, man kann aber auch Pech haben in einem von diesen schmuddeligen Buden zu landen, wo man sich ein winziges Zimmer mit mehreren Leuten teilt und die hygienischen Zustände unter aller Sau sind. Wenn man Glück hat, bekommt man schnell Arbeit, wenn man Pech hat, hängt man ewig in so einem Hostel und bezahlt ziemlich viel Geld. Möchte man früher ausziehen, gibt es manchmal noch nicht mal das Geld für die bereits bezahlten Tage zurück.

Auch die sogenannte „bin rate“ (also das man pro Eimer – und es handelt sich nicht um kleine Eimer, sonder manchmal ist mit „bin“ auch eine riesige Kiste gemeint – bezahlt wird) steht nicht gerade für Gutmütigkeit. Manchmal tauchen in den Backpackergruppen Fragen auf, ob 0,80 $ pro Eimer ok sind. Jeder, der nur ein klitzekleines bisschen Mathe kann, kann sich ausrechnen, dass das kein fairer Lohn ist – selbst wenn es sich nur um eine Erdbeerschale handelt.

Manchmal täuscht man sich auch in der Ehrlichkeit bei Jobangeoten. Es wird versprochen, das man viele Stunden und für längere Zeit arbeiten kann – plötzlich wird man nach 1 Woche von einem Tag auf den anderen entlassen, weil man doch nur ein Lückenfüller war oder man arbeitet nur 3 Tage die Woche für 8 Stunden. Achtung auch, wenn man zum Probearbeiten kommen soll, welches nicht bezahlt wird. Es gibt tatsächlich Leute, die einfach jede Woche eine neue Anzeige bei Gumtree rein stellen und nach Leuten suchen, die zur Probe arbeiten. So spart sich derjenige das Gehalt und findet jede Woche neue Arbeiter. Meistens sagt der Arbeitgeber, er wird sich melden wenn er einen das nächste Mal braucht. Auf diesen Anruf kann man aber lange warten. Wahrscheinlich gilt das aber nur für kleinere Aufträge/Bargeldbezahlung wie Putzjobs, nicht für richtige Arbeitsplätze

 

Geld

Wir haben schon von mehreren Menschen gelesen, dass die Freundlichkeit der Australier aufhört, wenn man kein Geld da lässt – z.B. im Touristeninformationscenter oder so. Das können wir überhaupt nicht bestätigen, bisher haben wir nur genau das Gegenteil erlebt. Wir wurden schon ein paar Mal, wenn wir etwas bestimmtes kaufen wollten, woanders hingeschickt, wo es billiger ist und wenn wir uns über Touren informiert haben, wurde nicht auf biegen und brechen versucht, uns die teuerste anzudrehen.

Eine andere Geschichte zu dem Thema, die wir wirklich heftig finden und erst vor kurzem gehört haben: Es gibt in Sydney einen Typen, der sich an beliebten Backpackertreffs herum treibt um den Leuten dort Kontaktdaten für Farmen in der Umgebung, die gerade Arbeiter brauchen, zu geben, damit sie ihre 88 Tage für das 2. Visum arbeiten können. Allerdings nicht umsonst, er verlangt – wohl gemerkt nur für die Daten, keine Garantie auf einen Job – 500 $! Ist das nicht krass? Derjenige, der uns das erzählt hat (er hat tatsächlich das Geld bezahlt und dann auch glücklicherweise einen Job bekommen), arbeitet also jetzt auch auf einer Station und macht ähnliche Arbeit wie wir, bekommt allerdings nur einen Lohn von 250 $ pro Woche – er hat also quasi erst mal 2 Wochen nur das Geld wieder rein gearbeitet, das er für den Job bezahlt hat.

Der bekannte Trick in Autowerkstätten wird auch hier angewendet: Es ist aber auch zu einfach, Leuten, die keine Ahnung von Autos haben, zu erzählen, dass ihr Auto ein neues Teil braucht. Es gibt Geschichten von ahnungslosen Backpacker(innen), die für eine Reparatur bezahlt haben und ein paar Tage später merken mussten, dass gar nichts oder zumindest nicht vernünftig gemacht wurde. Als wir unser jetziges Auto gekauft haben, haben wir in der (angeblichen) Werkstatt nachgefragt, ob das Auto in gutem Zustand ist (aufgrund der Entfernung konnten wir es uns nicht selbst angucken und haben uns daher die Kontaktdaten der Werkstatt vom Verkäufer geben lassen). Angeblich sei alles in Ordnung und das Auto ist in gutem Zustand. Die Realität sah leider so aus, dass es von unten ziemlich rostig ist und sogar schon ein kleines Loch im Boden hat, zusätzlich mussten wir die Stoßdämpfer erneuern und noch ein paar andere Reparaturen vornehmen lassen – nicht zu vergessen, das alle 4 Reifen fast kein Profil mehr hatten. Hätten wir das alles vorher gewusst, hätten wir wahrscheinlich ein anderes Auto gekauft oder zumindest den Kaufpreis noch weiter runter gehandelt. Trotz allem läuft unser Rusty aber zum Glück noch zuverlässig.

 

Alltägliche Sachen

 

Nicht nur bei solchen Situationen, die man eher erlebt wenn man länger hier ist, gerät man manchmal an schlecht gelaunte und fiese Menschen.

Wenn man die Sprache nicht so gut kann, sind die Australier meistens sehr verständnisvoll und geduldig. Leider hat ausgerechnet meine Mutter die Erfahrung machen müssen, dass es auch welche gibt, die schnell genervt sind. Sie wollte einen Milchshake bestellen und hat leider nicht verstanden, was die Kassiererin wissen wollte. Nachdem sie es nach dem 2. Mal immer noch nicht verstanden hat und die Kassiererin sich auch nicht wirklich Mühe gab, klar und langsam zu sprechen, wurde der Ton schon etwas genervter. Wir haben das selbst noch nie erlebt, eher genau das Gegenteil. Vielleicht hatte sie einfach einen schlechten Tag, dieser Ort ist nämlich immer voll von Touristen. Man kann das sogar verstehen das man irgendwann die Schnauze voll hat, trotzdem war es etwas schade das es ausgerechnet unseren Eltern passiert ist.

Autofahren könnte eigentlich ein Thema für sich werden, wir schneiden es aber nur mal kurz an. Ich weiß nicht wie oft wir schon erlebt haben (als Zuschauer, nicht als Objekt des Wutausbruchs), dass Australier beim Fahren andere Beschimpfen und Meckern oder auf Parkplätzen aussteigen und zu dem anderen Fahrer gehen, ein Streit entfacht und die ganze Situation kurz vorm eskalieren steht. Ruhig und gelassen geht es jedenfalls nicht immer zu. Auch unsere Eltern haben mal ohne ersichtlichen Grund den Mittelfinger gezeigt bekommen.

Eine Vegetarierin hat uns geschrieben, dass sie mal einen richtig blöden Spruch gedrückt bekam, als sie etwas vegetarisches bestellen wollte, es aber nichts gab – sie solle doch Fleisch essen wie alle anderen, sie ist schließlich in Australien. Auch nicht gerade kundenfreundlich…

 

Fazit

Wenn wir wollten, könnten wir noch ein paar mehr Beispiele aufzählen, das hier sind aber wahrscheinlich so die gängigsten die einem passieren können. Wie man sieht, auch in Australien gibt es – wie in jedem anderen Land der Welt – nicht nur gute Menschen. Auch hier gibt es übrigens Mord und Totschlag, Vergewaltigungen und Raubüberfälle, das kann man jeden Tag in den Nachrichten lesen. Es ist eine Illusion, wenn man nach Australien fliegt und denkt, dass hier alle Menschen einem nur gutes wollen. Man sollte auch hier nicht zu gutgläubig durch die Straßen laufen.

Trotz alledem fühlen wir uns hier sehr wohl und empfinden die gesamte Umgangsform als viel freundlicher und höflicher. Es läuft nicht jeder mit einem Lächeln herum, so wie man es immer liest, aber wenn man jemanden anlächelt, dann bekommt man eins zurück. Man kommt hier eher ins Gespräch mit Fremden, weil man ab und zu einfach angesprochen wird oder auch die Leute einfach ansprechen kann. Es kommt oft vor, dass wenn man planlos mit einem Stadtplan in der Hand an einer Kreuzung steht, jemand kommt und einem weiterhilft – ohne das man fragen muss.

Das Gute und Freundliche überwiegt hier in jedem Fall und die gesamte Atmosphäre ist einfach angenehm. Negative Sachen gibt es halt überall, das gehört dazu und damit muss man leben – unter den Teppich kehren muss man sie aber nicht.

Wir hoffen dieser Text war jetzt nicht abschreckend oder zu negativ, aber so ist es nun mal. Nächstes Mal gibt’s wieder unsere gewohnten Berichte zu lesen, aber das hier musste jetzt auch mal sein. 😉

 

Denny und Sarah 

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Über Denny und Sarah

Moin, moin! Wir berichten in unserem Blog regelmäßig über unser großes Abenteuer - Work and Holiday in Australien. Wir sind beide Mitte 20 und haben bzw. hatten alles was man so hat : Job, Wohnung, Auto, Hund... Das alles aufzugeben ist ein großer Schritt und wir behaupten mal, alleine die Entscheidung unseren Traum wirklich durchzuziehen ist viel schwerer, als wenn man frisch aus der Schule kommt und "noch nichts hat". Wir berichten über alles so aktuell wie möglich und versuchen nicht so langweilig zu schreiben, damit hier auch gerne mitgelesen/mitgefiebert wird. ;) Wir wünschen euch viel Spaß beim mitlesen und über Feedback freuen wir uns auch. Solltet ihr Fragen oder Anregungen haben, schreibt uns gerne eine Nachricht. Liebe Grüße aus Lübeck Denny & Sarah
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4 Antworten zu Australier – Immer freundlich und gut drauf?

  1. Hey ihr beiden,

    ich finde es wichtig, dass Blogger auch kritisch berichten! Alles andere würde die Glaubwürdigkeit kaputtmachen. Speziell auf Reisen ist halt nicht immer alles rosarot 😉 Umso krasser finde ich, dass ihr so angefeindet wurdet. Daher wollte ich nur mal schnell mein Lob für eure „Kritik“ da lassen 🙂

    Liebe Grüße aus Honduras
    Chris

    Gefällt 2 Personen

    • Denny und Sarah schreibt:

      Hi Chris,
      so sehen wir das auch und ich war echt total erschrocken über die Reaktionen.
      Witzigerweise habe ich den fertigen Artikel dann wieder in eine der Gruppen geteilt und als Kommentare kam dann plötzlich,das der Artikel nicht kritisch genug ist und ein paar Leute haben dann angefangen ihre Erlebnisse zu berichten. Also wie man’s macht… 😉
      Danke für das Lob, es ist gut zu wissen das wir nicht alleine so denken.
      LG aus Australien
      Sarah

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  2. Eva schreibt:

    Ja, Australier sind auch nur Menschen Ich mag solche Pauschalisierungen immer nicht. Überall trifft man nette und freundliche Menschen oder manchmal aber auch Ars……er 😉 Witzigerweise bin ich auf all meinen Reisen bisher nur in Australien beklaut worden.

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    • Denny und Sarah schreibt:

      Hallo Eva,
      danke für deinen Kommentar.
      Pauschalisierungen sind auch nicht so unser Ding, ich glaube es ist aber normal das fast jedes Land so sein Klischee hat (z.b. Thailand – das Land des Lächelns). 😉
      Beklaut wurden wir bis jetzt noch nicht, blöd dass dir das passiert ist… Hoffentlich fandest du Australien trotzdem toll?
      LG
      Sarah

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