Neues aus dem Busch

Es wird mal wieder Zeit zu berichten, wir haben jetzt ja lange gewartet um zu erzählen, wie es uns so ergangen ist in den letzten Wochen. Im Nachhinein gibt es sogar ziemlich viel zu berichten, also fangen wir besser gleich mal an.

 

Zäune bauen und Schafe treiben – ganz normale Arbeitstage auf einer Outback Station

Das wir angefangen haben Zäune zu bauen haben wir letztes mal ja schon erzählt. Mittlerweile haben wir dieses Auffanggehege für die Schafe fast fertig, es fehlen noch ein paar Kleinigkeiten und dann haben wir den ersten großen Auftrag erledigt. Wahrscheinlich werden wir das Gehege im Laufe der nächsten Woche fertig stellen und dann weitermachen mit Auffanggehegen für die Rinder. (Während ich das hier so schreibe fällt mir auf, dass ich ziemlich überlegen muss um die richtigen deutschen Wörter zu finden… 😀 )

Diese Auffanggehege sind dazu da, die Tiere dort hineinzutreiben und von da aus gleich in einen LKW zu laden oder sie weiter in Richtung Haus zu treiben, wo ein anderes Gehege mit einer Laderampe ist, von dort aus ist es leichter die Schafe und Rinder in den LKW zu bringen. Außerdem steht dort die große Halle, in der die Schafe geschoren werden. Auch dieses Gehege ist übrigens von uns gebaut, zwar erstmal nur provisorisch, aber wir waren fleißig (Denny hatte zugegebenermaßen mehr Arbeit zu tun als ich, denn er musste diese ganzen Zäune zusammenschweißen, während ich eigentlich nur zu seiner Unterhaltung diente… 😉 ) Jeden Tag kamen uns dort Emus besuchen, nur ein paar Meter von uns entfernt.

Neben dem ganzen Zäune gebaue haben wir auch noch kleine Renovierungsarbeiten verrichtet, die Türen von der Schafschererunterkunft benötigten wirklich dringend mal einen neuen Anstrich und auch eine neue Küchenzeile wurde eingebaut. In dem großen Haus gibt es 6 Zimmer mit je 2 Betten, in denen dann die Scherer wohnen während der Scherzeit, ab und zu sind auch mal Jäger da und auch Touristen können hier übernachten (also, falls jemand mal auf einer Outbackstation Urlaub machen will, meldet euch! 😉 ). Auch in unserem Wohncontainer gab es einiges zu tun, wir mussten einen Raum umbauen, die Wand, Dusche und Klo raus nehmen (was gar nicht so einfach war) und eine kleine Küchenzeile einbauen. Dann haben wir auch endlich eine Art richtige Küche für uns. Wenn es soweit ist werden wir euch mal ein Vorher/Nachher Foto zeigen.

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Unsere Behausung

Und jetzt zum Highlight: Wir haben tatsächlich beim Schafe treiben mitmachen dürfen! Das war schon immer (zumindest mein) Traum, seit wir in Australien sind. Am ersten Tag ging es morgens mit den Quads los, Jon ist mit dem Flugzeug geflogen um die Schafe zu finden. Wenn er eine Herde erspäht, sagt er durch ein Walkie Talkie wo sie sind und ab geht’s durch und über die Büsche. Wir sind beide vorher erst einmal so richtig Quad gefahren und das war in einer geführten Tour an Dennys Geburtstag (Den Beitrag findet Ihr HIER), so war dieses Geländefahren ganz schön aufregend. Man kommt so gut wie überall hin und kein Busch ist sicher, man kann einfach drüber fahren. Als wir die Schafe gefunden haben, hat Ruth sie in die richtige Richtung geleitet und wir sind dann langsam immer hinter der Herde hergefahren, bis sie irgendwann an dem Auffanggehege angekommen sind. Die erste Herde am Vormittag war relativ klein und leicht zu treiben. Am Nachmittag ging es in ein ca. 6 km entferntes Gehege, dieses Gelände war etwas schwieriger zu fahren, denn es ging teilweise ganz schön hügelig zu. Auch die Schafherde war riesig. Während wir die Schafe langsam getrieben haben, fanden wir ein kleines Lämmchen das ganz verschüchtert in einem Busch stand und nicht weiter gelaufen ist. Denny hat es dann ein Stück auf seinem Quad mitgenommen und dann Ruth ins Auto übergeben. Da die Herde so groß war und wir ja total unerfahren sind, hatten wir irgendwann 3 kleinere Herden und es wurde ein bisschen chaotisch. Trotzdem haben wir es am Ende geschafft den Großteil der Schafe in das Auffanggehege zu bringen.

Auch am nächsten Tag haben wir vormittags noch schnell eine kleinere Herde einfangen, bevor der LKW kam um die Schafe abzuholen. Auch beim Aufladen haben wir ein bisschen mithelfen können, wir müssen nämlich immer von hinten treiben damit sie in den LKW laufen.

Das war aber noch nicht alles, denn ein LKW sollte noch kommen und für den brauchten wir natürlich noch mehr Tiere. Also sind wir noch einmal rausgefahren, nur mit Jon, um die Herde zu suchen. Als wir sie gefunden haben, hat er uns kurz noch eine Anweisung gegeben und ist dann irgendwo im Gelände verschwunden. So hatten wir also unsere erste eigene, relativ große Herde, die wir auch erfolgreich zum Ziel gebracht haben. Wir waren darauf ziemlich stolz, leider sind positive Worte von Jons Seite sehr selten und wir haben keinerlei Lob oder sonstwas bekommen. Schade, aber mittlerweile wissen wir ja, das Jon eher der cholerische und unzufriedene Typ ist, von dem wir schon gar nichts positives mehr erwarten…. Zum Glück ist Ruth das genaue Gegenteil.

Was wir so an freien Tagen machen

Wir arbeiten meistens bis 5 oder halb 6, danach schnell duschen und zum Abendessen gehen. Nach dem Essen gucken wir meistens noch einen Film oder neuerdings ein paar Folgen von Serien (ich bin jetzt Mitglied der Bücherei, so geht uns erstmal nicht der Stoff aus) und das war dann auch schon der Tag. Manchmal, wenn der Sternenhimmel besonders schön ist (und das ist er tatsächlich ab und zu, ich habe noch nie so viele Sterne gesehen), feilen wir ein bisschen an unseren Fotofähigkeiten.

An einem freien Samstag hat uns Ruth mit in das nächste Örtchen Milparinka, was eigentlich eher eine Geisterstadt ist, genommen. Dort fand wohl das Spektakel des Jahres statt – ein Pferdeturnier. Viele verschiedene Wettbewerbskategorien standen auf dem Programm, bei manchen konnte der Gewinner sogar einen Geldpreis gewinnen. Am Ende der Veranstaltung gab es noch ein paar Wettbewerbe ohne Pferd, bei dem jeder mitmachen konnte, so auch ein Wettrennen, bei dem man ein bisschen Geld gewinnen konnte. Ich habe mein Glück versucht, aber ich bin ja auch nicht mehr die jüngste, ich habe leider nicht gewonnen… Für die Kinder stand unter anderem das gute alte Sackhüpfen auf dem Programm, da kamen Erinnerungen aus unserer eigenen Kindheit hoch. Das waren noch Zeiten… Insgesamt war der Tag nicht wirklich spektakulär. Wir haben 2 andere Backpacker getroffen, ein Italiener und ein Deutscher, die auch auf einer Station arbeiten und ein paar Geschichten ausgetauscht. Auf dem Weg nach Hause war es schon dunkel und dementsprechend viel tierischer Verkehr war auf den abgelegenen Wegen anzutreffen – Ruth hat uns aber sicher und ohne Vorkommnisse nach Hause gebracht.

Ansonsten waren wir, wenn wir mehrere Tage am Stück frei hatten, 2 mal in Broken Hill. Das erste Mal nach 3 Wochen im Outback, da haben wir den Tag hauptsächlich mit einkaufen verbracht. Letztes Mal hatten wir sogar 2 Tage in Broken Hill, die wir genutzt haben, um den Blog hier ein bisschen zu bearbeiten (wie gefällt euch denn eigentlich die neue Aufmachung?) und um endlich dem Pokemon Go Wahn zu verfallen… 😉 Außerdem haben wir uns die Basis des Royal Flying Doctor Service angeguckt, was recht interessant war. Der fliegende Doktor ist für die Leute im Outback oft die einzige Möglichkeit medizinische Hilfe zu bekommen. Sollte auf einer Station oder einer abgelegenen Gegend mal ein Unfall passieren oder jemand sehr krank werden, kommt entweder nur eine Krankenschwester angeflogen oder, in besonders schlimmen Fällen, der fliegende Doktor. Der Patient wird dann entweder vor Ort behandelt oder mit nach Broken Hill genommen, manchmal, wenn es einer Spezialbehandlung bedarf, wird auch bis nach Adelaide geflogen. Neben der Notfallversorgung bedienen die fliegenden Ärzte aber auch noch kleine Kliniken in Outbackstädten, die nur einmal die Woche besetzt sind. Dort gibt es dann die normale Versorgung wie bei jedem anderen Arzt auch. Sogar Hausgeburten sind möglich! Ich würde ja gerne mal als fliegende Schwester arbeiten, das wäre genau mein Ding… Dieser ganze Service ist kostenlos und finanziert sich nur durch spenden, also wenn ihr mal für eine gute Sache Geld ausgeben wollt, dann spendet doch hierfür(https://www.flyingdoctor.org.au/support-us/). Es gibt sogar eine Art Fanclub in Deutschland (http://www.german-fanclub-rfds-australia.de/), der Gründer sammelt Spenden und fliegt ca. alle 2 Jahre nach Broken Hill und übergibt den Spendencheck. Es gibt in ganz Australien diese Flying Doctors und in vielen Orten kann man sich das ganze mal ansehen.

 

Zusammenleben mit Mensch, Hund und anderem Getier

 

Insgesamt haben wir, bis auf das Abendessen nicht so viel miteinander zu tun in. Während der Arbeitszeit arbeiten wir entweder meistens zusammen mit Jon oder wir beide alleine. Jon ist ja sowieso eher nicht so aufgeschlossen und gesprächig, dafür ist Ruth eigentlich immer offen für ein Pläuschchen. Sie hat uns an einem Tag mal mitgenommen um uns ein Emunest in der Nähe des Hauses zu zeigen. Sie hat uns erklärt, das der männliche Emu die Eier ca. 56 Tage ausbrütet und sich um die Küken kümmert. Als wir etwas dichter ran gefahren sind, ist der Emu aufgesprungen und hat den Blick auf die Eier freigegeben, welche wirklich hübsch sind. Zu unserer Erleichterung kam der Emuvater später wieder um weiter zu brüten. Ruth ist sehr interessiert und kennt sich mit den Tieren die hier so rumlaufen gut aus, sie hat uns auch mal die Unterschiede zwischen den Kängurus erklärt. Wir haben sogar ein gemeinsames Hobby – das Fotografieren und sie hat uns schon einige gute Tipps gegeben.

Emueier

Emueier

Die Namen der 8 Hunde kennen wir mittlerweile auch alle und wir haben auch unsere 2 Lieblingshunde, die wir manchmal mit in unsere Hütte nehmen, wenn die beiden Chefs nicht da sind – aber psssst. 😉 Wir haben aber auch noch andere Haustiere, nämlich eine Katze, 4 Pferde (eins davon ist schon über 30 Jahre alt) die regelmäßig unsere Mülltonne plündern und das gefährlichste Tier weit und breit – der Hahn Sylvester bzw. Adolf. Der ist echt irre und hat uns schon mehrmals attackiert, wobei Denny sogar ein paar Kratzer davon getragen hat. Wir haben ihn heimlich Adolf getauft, weil dieser Name den Inbegriff des Bösen so gut beschreibt… 😉

Wenn wir aus dem Fenster gucken, gucken wir direkt in den Busch. Es kam aber sogar mal vor, dass ein Emu hinter unserem Haus vorbeilief. Das ist auch mal was anderes… 😀 Außer die täglichen Kängurus und Emus gibt es hier nicht viele andere Tiere zu sehen, wir haben einen Fuchs entdeckt und ein paar kleine Schweinchen. Letztere sind übrigens der Grund, weshalb wir hier manchmal Jäger haben, die den ganzen Tag, meistens in kleinen Gruppen, mit ihren Hunden und Quads durch den Busch fahren und auf die Suche gehen. Einmal hatten wir einen einzelnen Jäger, der uns mal mitnehmen wollten. Nachdem wir aber erfahren haben, dass er keine Schusswaffe, sondern nur seine beiden Hunde und ein Messer benutzt und dann auch noch das Schwein einfach liegen lässt statt mitzunehmen, haben wir uns dagegen entschieden… Es scheint normal zu sein, die Schweine zu töten und dann im Busch liegen zu lassen, das machen wohl viele so – Jagen nur zum Spaß. Das ist nicht so ganz das was wir mögen, aber ist halt so…

So, ich glaube das war´s erstmal, mal gucken was wir noch so erleben in den nächsten Wochen. Wir bleiben ja noch ein bisschen hier bis es weiter geht…

PS: Die Temperaturen liegen meistens so bei 17 – 23 Grad, da lässt sich der Winter gut aushalten. 😉

Denny und Sarah

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Über Denny und Sarah

Moin, moin! Wir berichten in unserem Blog regelmäßig über unser großes Abenteuer - Work and Holiday in Australien. Wir sind beide Mitte 20 und haben bzw. hatten alles was man so hat : Job, Wohnung, Auto, Hund... Das alles aufzugeben ist ein großer Schritt und wir behaupten mal, alleine die Entscheidung unseren Traum wirklich durchzuziehen ist viel schwerer, als wenn man frisch aus der Schule kommt und "noch nichts hat". Wir berichten über alles so aktuell wie möglich und versuchen nicht so langweilig zu schreiben, damit hier auch gerne mitgelesen/mitgefiebert wird. ;) Wir wünschen euch viel Spaß beim mitlesen und über Feedback freuen wir uns auch. Solltet ihr Fragen oder Anregungen haben, schreibt uns gerne eine Nachricht. Liebe Grüße aus Lübeck Denny & Sarah
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