Die ersten Tage auf der Farm

Wie man sieht haben wir hier mitten im Outback nicht wirklich Internet, nur im Haus der Farmer haben wir Handyempfang und Internet. Deswegen kommt dieser Bericht hier auch ein bisschen verspätet, aber ich versuche mich kurz zu halten. 😉

Sonntag Nachmittag (12.6.) sind wir aus Bridgewater von unserem Couchsurfingquartier losgefahren. Wir sollten Dienstag auf der Station (so nennt man die Rinder- und Schaffarmen im Outback Australiens) ankommen, wollten uns aber nicht so abhetzen und beschlossen, noch 2 Nächte auf dem Weg zu campen – immerhin ist die Station von Bridgewater etwas über 730 km entfernt. Dies stellte sich aber als blöde Idee heraus, denn es ist ja gerade Winter hier und das heißt, es ist wirklich kalt. Über Nacht hatten wir -1 °C, im Zelt unter der dicken Decke war es zwar ok, aber auch nur mit den Körperteilen, die man zudecken kann. Das heißt, das unsere Gesichter ziemliche Eisklötze waren. Dazu kam, dass das Zelt von innen und außen gefroren war. Brrr…

Jetzt haben wir schon bei jedem Wetter gezeltet und wir sind uns nicht ganz einig, ob es angenehmer ist in Hitze bei 39 °C zu schlafen oder lieber bei Gefrierfachtemperaturen.

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Nach dieser kalten Nacht mussten wir das Zelt erstmal auftauen, zum Glück war der nächste Tag schön und die Sonne schien. Bis nach Broken Hill, die erstmal einzige große Stadt im weiten Nichts, war es nicht mehr weit. Das erste was wir dort taten, war ein Hotel zu suchen, denn nochmal wollten wir nicht draußen schlafen. Wir fanden sogar das billigste Hotel, das wir je in Australien hatten – 50 $ die Nacht im Doppelzimmer, zwar ohne eigenes Bad, aber trotzdem gut. Hier werden wir bestimmt noch öfter absteigen wenn wir mal in der Gegend sind. Nachdem wir eingecheckt hatte, fuhren wir ein paar KM weiter nach Silverton, eine „Geisterstadt“. Silverton war wohl früher der Konkurrent von Broken Hill, in beiden Orten wurde und wir immer noch Minenbau betrieben. Während Broken Hill aber immer noch groß ist, ist Silverton nur noch ein kleines Örtchen mit 55 Einwohnern. Es gibt ein paar Kunstgalerien und ein Hotel, das sogar ganz berühmt ist, dort wurden schon einige Filmszenen gedreht. Vor diesem Hotel steht das Originalauto aus den „Mad Max“ Filmen. Ansonsten ist es eher ein normales, kleines Dörfchen und es war sogar relativ viel los in der Hotelbar, vielleicht weil gerade der Queens Birthday Feiertag war. (Dieser Feiertag heißt zwar Geburtstag der Königin, aber in Wirklichkeit ist dieses Datum nur ausgedacht und fällt jedes Jahr auf einen anderen Tag – der 2. Sonntag im Juni). Zwischen Silverton und Broken Hill liegt außerdem eine Miene, die man besichtigen kann. Das werden wir bestimmt mal in Angriff nehmen, wenn wir ein paar Tage frei haben.

Unser neuer Alltag

Am nächsten Tag erledigten wir noch ein paar Einkäufe (unter anderem Bier und Wein für die Farmer) und holten in einem Laden die bestellten Waren für die Farmer ab, die wir mitbringen sollten. Dann machten wir uns auf den Weg, von Broken Hill sind es noch über 200 km zur Station, davon mindestens die Hälfte unbefestigte Straße. Wenn es stark regnet wird die ganze Strecke zu einer einzigen Rutschpartie, weil der feine rote Sand zu Matsch wird.

Wenn man weit genug von Broken Hill entfernt ist, hat man die meiste Zeit bis zur Station keinen Handyempfang mehr, also kann man nicht mal schnell anrufen und nach dem Weg fragen. Aber glücklicherweise ist ja alles relativ gut beschildert. Der Weg zur Station führt über ein paar andere Stations, jede davon ist riesig und man passiert mehrere Tore, die man immer hinter sich zumachen muss, damit sich die Schaf- und Rinderherden nicht vermischen.

Endlich an unserem neuen Arbeits- und Wohnplatz angekommen, wurden wir von einem Rudel Hunde begrüßt, insgesamt leben hier 8 Stück, der kleinste erinnert uns an unseren Pauli, er ist nämlich auch ein frecher Jack Russel.

Die Farmersfrau, Ruth, macht einen netten Eindruck und zeigt uns unser neues zuhause. Wir wohnen ab jetzt in einer Art Baucontainer, in einem kleinen Zimmer mit winzigem Bad. Ist ausreichend und allemal besser als im Zelt – wir haben sogar eine Heizung!

Ihr Mann Jon, mit dem wir wohl die meiste Zeit arbeiten werden, ist zwar auch nett, redet aber nicht so viel und so gerne… Jedenfalls bis jetzt nicht. Wir wissen noch nicht wie wir ihn nehmen sollen. Dann ist da noch ein Arbeiter, der schon seit 2 Jahren hier ist. Ashley, der die ersten Tage auch brummig gewirkt hat, aber mittlerweile ein bisschen aufgelockert ist – er hat gerade aufgehört zu rauchen, vielleicht war er deswegen etwas griesgrämig…

Am Abend haben wir, wie jeden Abend außer am Wochenende, zusammen gegessen. Ruth kocht, das ist gut, dann brauchen wir das nach der Arbeit nicht noch machen.

Wir merkten schon an diesem ersten Tag, dass hier alles irgendwie nicht so richtig kommuniziert wird oder einfach keiner so richtig einen Plan hat. Was genau es ist wissen wir noch nicht. Jedenfalls wurde uns auf Nachfragen gesagt, dass wir am nächsten Morgen anfangen zu arbeiten und dass schon etwas gefunden wird, wir könnten dann ja so um 7 oder halb 8 kommen. Tolle Angaben…

So standen wir also am nächsten Tag halb 8 da und wollten irgendwas tun. Der Container in dem wir wohnen, kam gerade ein paar Tage vorher an und war noch nicht mit dem Abflussbehälter verbunden, so war unsere erste Aufgabe, diesen einzubuddeln. Das ging relativ schnell und ich wurde dann zu Ruth geschickt, die mir ein paar Autos zum putzen hinstellte. Denny hat erst kurz Ashley geholfen und hat danach den Auftrag bekommen, eine Leiter an einen großen Tank zu bauen. Hört sich einfach an, ist es eigentlich auch, ABER: Die große Werkstatt ist ein einziges Chaos und man braucht erstmal Ewigkeiten bis man alles findet was man braucht. Dabei geht viel Zeit verloren. So eine unaufgeräumte Werkstatt haben wir noch nie gesehen. Das nächste Problem ist, das die meisten Werkzeuge schon ziemlich ramponiert sind und nicht mehr einwandfrei funktionieren. Außerdem musste Denny sich selbst irgendwas ausdenken, wie er diese Leiter nun an den Tank kriegt. Alles in allem hat es dann 2 Tage gedauert bis diese Sache erledigt war, aber so ist das nun mal wenn man einfach in ein Chaos geschickt wird und gesagt wird „Mach mal“. Ich habe diese 2 Tage währenddessen damit verbracht, alles mögliche zu putzen. Am Freitag, dem 3. Tag, sind wir dann das erste mal rausgefahren und haben ein paar Zäune abgebaut. Diese Zäune sind Drahtgeflechte mit Stacheldraht obendrauf – Aua….

Überall sind Kängurus und Emus

Am ersten Wochenende hatten wir frei und bekamen eine Karte für die Farm und konnten mit einem der Autos ein bisschen rumfahren. Leider war das Wetter nicht so toll (als wir ankamen war es richtig schön warm, mittlerweile regenet es oft und ist kalt) und es bot sich nicht so an etwas zu fotografieren. Viele Kängurus und Emus laufen auf dem riesigen Gelände herum, davon haben wir ein kurzes Video gemacht:

Arbeitsleben auf der Station – was machen wir eigentlich so

Montag ging es dann erst wieder raus aufs Gelände – bis zu dem Gehege, wo die Schafe drin gesammelt werden, fährt man übrigens eine halbe Stunde, so groß ist die Farm und das nur in eine Richtung – , dieses Mal sollten wir die Zäune aufbauen. Was vorher leichte Zäune aus Draht waren sind jetzt relativ schwere (für mich) Gitter aus Stahl. Davon haben wir ca. 150 Stück aufgebaut und durch die Gegend geschleppt… Ganz schön anstrengend, aber vielleicht werden wir ja jetzt stark… Ich wenigstens, Denny schleppt die Dinger ja sowieso schon als ob sie nichts wiegen würden.

Nachdem das Material ausging, fuhren wir wieder zurück und bekamen eine andere Aufgabe, die ich jetzt schon satt habe. Wir sollten jetzt Pfosten bauen, die später an die Gitterzäune angebracht und einbetoniert werden um mehr halt zu haben. Hört sich einfach an, ist auch eigentlich keine schwere Arbeit aber Spaß ist anders. Damit haben wir die ganze restliche Woche verbracht und ich kann mittlerweile mit Schleifgeräten und Metallkreissägen umgehen…

Auf dem Bild sehen diese Pfosten schnell gemacht aus, aber da hängt ganz schön viel Arbeit dran, weil wir alles selbst per Hand machen müssen – erst die Pfosten auf die richtige Länge sägen, dann die kleinen Teile an den Seite aus einer großen Stange ausmessen und zurechtsägen, schleifen und am Schluss zusammenschweißen. Ich für meinen Teil habe davon tierische Rückenschmerzen und Denny musste am letzten Tag mit einem Elektrodenschweißgerät weiterarbeiten, weil das Gas für das normale Schweißgerät leer war. Dabei hat er sich eine kleine Abgasvergiftung zugezogen und lag abends zitternd im Bett.

Zum Glück hatten wir am nächsten Tag aber frei und uns geht’s jetzt wieder gut. 😉

Am Sonntag hatten wir dann nochmal eine andere Arbeit zu tun. Ashley arbeitet jetzt für ein paar Tage auf einer anderen Farm die ca. 1 Stunde entfernt ist und wird auch solange da in einem Wohnwagen wohnen. Außerdem musste noch die Raupe (das Fahrzeug) zum Arbeitsplatz gebracht werden, zusammen mit einem großen Wasser- und Benzintank. All das wurde auf einen Anhänger geladen, der von einem großen Truck gezogen wurde, den Jon fuhr. Denny und ich bekamen jeweils ein Auto und sollten hinterherfahren.

Es sollte ein kurzer Arbeitstag werden, wurde aber eher zu einem Drama. Es hat die ganze Zeit genieselt und war kalt, dann sind 2 Reifen des Anhängers geplatzt und durch die Luft geflogen. Dann, kurz vorm Ziel, hat der große Truck mit den Anhängern sich festgefahren und das hat alles so viel Zeit gekostet, das wir von morgens um 9 bis nachmittags um 5 unterwegs waren. Der Rückweg hat nur 1 Stunde gedauert, wir sind in einem Auto mit Jon zurück gefahren und haben zum Glück kein Känguru erwischt. Wie ich am Anfang schon geschrieben habe, werden die Straßen matschig und wir sind das ein oder andere Mal ganz schön durch die Gegend gerutscht.

Zum Glück hat Ruth uns dann zum Essen ins Haus eingeladen, das war ein guter Abschluss des Tages.

Die nächste Woche werden wir wohl viel auf dem Gelände draußen verbringen, hoffen wir mal, dass das Wetter nicht so bescheiden wird.

So jetzt habt ihr die ersten Tage unseres neuen Lebens auf der Station erfahren, mal sehen ob wir nächstes mal spannende Geschichten aus dem Outback parat haben. 😉

Bis denn dann,

Denny und Sarah

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Über Denny und Sarah

Moin, moin! Wir berichten in unserem Blog regelmäßig über unser großes Abenteuer - Work and Holiday in Australien. Wir sind beide Mitte 20 und haben bzw. hatten alles was man so hat : Job, Wohnung, Auto, Hund... Das alles aufzugeben ist ein großer Schritt und wir behaupten mal, alleine die Entscheidung unseren Traum wirklich durchzuziehen ist viel schwerer, als wenn man frisch aus der Schule kommt und "noch nichts hat". Wir berichten über alles so aktuell wie möglich und versuchen nicht so langweilig zu schreiben, damit hier auch gerne mitgelesen/mitgefiebert wird. ;) Wir wünschen euch viel Spaß beim mitlesen und über Feedback freuen wir uns auch. Solltet ihr Fragen oder Anregungen haben, schreibt uns gerne eine Nachricht. Liebe Grüße aus Lübeck Denny & Sarah
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