Vom Kuhdorf nach Adelaide

Etwas mehr als eine Woche waren wir in Lucindale in der Molkerei. Lucindale hat übrigens knapp 500 Einwohner, es gibt einen kleinen Tante Emma Laden, eine Post, eine Kneipe mit Alkoholverkaufsladen und sogar eine Schule mit einer Bibliothek – ja, jedes noch so kleine Kaff ist meistens mit diesen öffentlichen Gebäuden ausgestattet. Die nächstgrößere Stadt, Naracoorte, hat ca. 5000 Einwohner und hier gibt es alles was man so braucht. Das ganze liegt im Südosten von Südaustralien und wir haben es ja schon letztes mal geschrieben: Es ist wirklich arschkalt hier, jedenfalls jetzt in der Herbst/Winterzeit. Wir haben glücklicherweise Feuerholz gestellt gekriegt und an einem Tag war es sogar mal so warm, das man im T-Shirt draußen sitzen konnte – so würde sich der Winter aushalten lassen. 😉 Während unserer Zeit hat es aber fast jeden Tag geregnet…

Waren wir nur eine Zwischenlösung?

In der Molkerei haben wir uns immer sicherer gefühlt und uns an die Handgriffe und die Kühe gewöhnt. Wir haben auch ein paar Schichten alleine gemacht, also ich auf der Seite wo man das Milchgerät abmacht (Cup off) und auf der anderen Seite zum Milchgerät ranhängen („Cup on“) hat dann unser erfahrener Mitbewohner gearbeitet. Denny war arbeiten wenn ich zuhause war, wir waren also nie zusammen im Betrieb, das wäre auch nicht gegangen, dazu sind wir einfach noch zu neu und unerfahren. Ungefähr 1 Woche nachdem wir angefangen haben zu arbeiten, kamen plötzlich 2 Mädels an und zogen ein. Sie erzählten uns, dass sie zum melken angestellt wurden und schon viel Erfahrung hatten, weil sie in Neuseeland bereits in einer Molkerei gearbeitet haben. Sie kamen direkt aus Broome (nordwestlich von Westaustralien) und haben ungefähr eine Woche von dort bis nach hier gebraucht. Wir wunderten uns, weil wir ja nun 5 Leute waren, aber dachten, dass die beiden vll. schon als Ersatz für unseren Mitbewohner kommen, der in ein paar Wochen weiter reisen wollte. Ein paar Tage später, ich war zuhause und Denny auf Arbeit, bekam ich eine SMS von der Chefin mit dem Inhalt, dass sie uns nicht weiterbeschäftigen können und das wir nicht mehr kommen brauchen. Von heute auf morgen! Und per SMS! Das regt uns immer noch etwas auf. Vor allem: Denny kam kurze Zeit, nachdem ich die SMS bekam, nach Hause, früher als sonst. Ich dachte schon es ist irgendwas vorgefallen, aber er wusste von nichts. Die beiden Chefs waren zwar in der Molkerei, haben aber kein Wort zu Denny gesagt, sondern einfach uns beiden eine SMS geschrieben, nachdem er los gefahren ist. Wie blöd ist das bitte?! Wir haben sie dann nach Gründen gefragt (immerhin waren wir ja vorher total unerfahren und haben uns eigentlich ganz gut gemacht) und gefragt, warum sie uns das nicht mal ins Gesicht sagen. Richtige Gründe haben sie uns nicht genannt und angeblich wäre Denny los gefahren und sie hätten gar keine Zeit gehabt ihm das zu sagen…. Von wegen… Jedenfalls fanden wir diese Art der Kündigung total doof. Ich war noch nicht mal traurig darüber, denn die Arbeit hat keinen Spaß gemacht und ich hatte schon überlegt, ob wir nicht lieber etwas anderes suchen sollen. Denny hat dem Job noch etwas nachgetrauert, aber auch eher wegen dem Geld als wegen dem Job an sich.

Im Nachhinein wurde uns klar, das wir wahrscheinlich einfach nur ausgenutzt wurden und als Zwischenlösung dienten: Wir waren gerade vor Ort, 2 Arbeiter hatten gekündigt, wir wurden „angelernt“ solange sie noch da waren. Die Farmer wussten genau, das in einer Woche 2 erfahrene Leute ankommen und genau für diese Zwischenzeit haben sie uns eingestellt, weil sonst nämlich kein Personal da gewesen wäre. Wir hätten also wahrscheinlich eh nicht gut genug arbeiten können, weil von Anfang an sowieso klar war, das wir nicht bleiben.

Wir beschlossen, nicht gleich am nächsten Tag loszufahren, sondern den Tag danach. Wir mussten ja erst mal gucken, wohin.

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Couchsurfing in Adelaide

So einen richtigen Plan was wir nun machen sollten hatten wir nicht. Am Ende fuhren wir dann mit einem kleinen Umweg nach Adelaide, wo wir eigentlich gar nicht hinwollten. Aber da viele Stellenangebote für Adelaide gelistet waren dachten wir, dass es wohl am besten wäre unser Glück hier zu versuchen. Eine Nacht schliefen wir auf einem Campingplatz, aber da es auch hier richtig ungemütlich und verregnet ist, suchten wir eine Alternative. Unsere 1. Wahl, Airbnb, stellte sich als viel zu teuer heraus und die 2. Wahl, Hostels, waren auch nicht gerade günstig. Da ich vor Ewigkeiten mal einen Couchsurfing Account angelegt hatte, versuchten wir es mal hierüber. Wir fanden sogar jemanden, der uns aufnahm, zwar nicht direkt in Adelaide, aber ganz in der Nähe, ungefähr eine halbe Stunde außerhalb in den Adelaide Hills. Couchsurfing ist ähnlich wie Airbnb, der einzige Unterschied ist eigentlich, dass man nichts bezahlen braucht. Die Leute stellen einem also entweder ein ganzes eigenes Zimmer oder manchmal auch nur eine Schlafmöglichkeit im Wohnzimmer. Wir haben extra nach einem Zimmer gesucht und zum Glück auch gefunden. Ich weiß gar nicht wieso wir das noch nicht früher ausprobiert haben… 😀

Unser „Host“ (der, der uns aufnimmt) ist ein mittelalter Australier, der auch schon viel in Europa gereist ist. Er und seine Freundin haben gleich am ersten Abend mit einigen Bekannten Kontakt aufgenommen und gefragt, ob jemand jemanden kennt, der Arbeit für uns hat. Leider hat sich dabei nichts ergeben.

Ein unerwartetes Jobangebot

Wir haben schon seit wir die Kündigung bekommen haben angefangen nach Jobs zu suchen. Wir haben nicht mitgezählt, aber es waren wirklich viele Bewerbungen die wir abgeschickt haben. Auf die meisten haben wir immer noch keine Antwort bekommen. Leider geht auch hier in Australien vieles über Arbeitsvermittlungen und vor allem nur über Onlinebewerbungen. Man hat selten die Möglichkeit einen Kontaktnamen oder Nummer herauszubekommen um selber anzurufen oder hinzufahren.Vielleicht sind wir auch einfach zu ungeduldig, aber es nervt einfach, dass wir nicht wissen ob und wann wir Arbeit finden. Als weitere Möglichkeit haben wir „Gumtree“ (ähnlich wie Ebay Kleinanzeigen) genutzt und eine Anzeige aufgegeben. Darauf hat sich wirklich jemand gemeldet und zwar eine Farm im Outback, in der „Nähe“ der Stadt „Broken Hill“ (300 km nördlich von da). Diese Stadt ist in New South Wales, was bedeutet, das wir jetzt wieder mindestens 550 KM nach Osten fahren müssen. Das Arbeitsangebot hört sich aber zu interessant und gut an (und außerdem ist es das einzige was wir momentan haben), als das wir es abgelehnt hätten. Wir haben bis jetzt nur die Information, dass die Farm nördlich von Broken Hill ist, es ist eine Schaf- und Rinderfarm, wir bekommen dort Unterkunft und der nächste Nachbar ist 20 km weit entfernt. Unsere Arbeiten bestehen hauptsächlich darin, die Farm aufzubauen, also Zäune zu errichten, Schuppen aufzubauen usw…. Jetzt werde ich also tatsächlich Bauarbeiter, wer hätte das gedacht? 😀

Am Dienstag sollen wir da sein, wir sind schon gespannt was da auf uns zu kommt, ganz so abgelegen waren wir ja auch noch nie. Es wird auf jeden Fall spannend und wieder eine tolle Erfahrung.

Wandern im Morialta Conservation Park und ein Besuch in Hahndorf

Heute haben wir den fast regenfreien Tag nochmal genutzt um ein bisschen im Morialta Conservation Park wandern zu gehen. Hier gibt es verschiedene Wanderwege, es gibt lange, die auf den Berg hinauf führen, von wo man eine gute Sicht auf Adelaide hat und man kommt an den Wasserfällen vorbei, es gibt aber auch kürzere die direkt zu den Wasserfällen führen. Wir haben ein paar Koalas und viele hübsche Vögel gesehen, auch wenn wir das schon alles kennen, es ist trotzdem immer wieder schön. Wer weiß wann wir das nächste Mal so grüne Natur sehen… 😉 Außerdem haben wir uns „Hahndorf“ angeguckt, das ist Australiens älteste, deutsche Stadt. Wir waren ein bisschen enttäuscht, denn die meisten Häuser sehen nicht besonders Deutsch aus und auch sonst ist außer der Name nicht viel Deutsches zu entdecken. Es gibt noch ein paar Läden die deutsche Sachen verkaufen, wie Kukusuhren, Nussknacker und Schwipbögen, aber so wirklich lohnt es sich nicht extra dorthin zu fahren. Wir wohnen zur Zeit nicht weit entfernt, daher bot es sich gerade an.

Mal sehen wann wir uns das nächste Mal melden können, wer weiß ob es auf der Farm Internet und Handyempfang gibt….

Bis denn dann,

Denny und Sarah

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Über Denny und Sarah

Moin, moin! Wir berichten in unserem Blog regelmäßig über unser großes Abenteuer - Work and Holiday in Australien. Wir sind beide Mitte 20 und haben bzw. hatten alles was man so hat : Job, Wohnung, Auto, Hund... Das alles aufzugeben ist ein großer Schritt und wir behaupten mal, alleine die Entscheidung unseren Traum wirklich durchzuziehen ist viel schwerer, als wenn man frisch aus der Schule kommt und "noch nichts hat". Wir berichten über alles so aktuell wie möglich und versuchen nicht so langweilig zu schreiben, damit hier auch gerne mitgelesen/mitgefiebert wird. ;) Wir wünschen euch viel Spaß beim mitlesen und über Feedback freuen wir uns auch. Solltet ihr Fragen oder Anregungen haben, schreibt uns gerne eine Nachricht. Liebe Grüße aus Lübeck Denny & Sarah
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