Ab in den Kuhstall – neuer Job in der Molkerei

An einem Sonntag haben wir uns (wieder mal) viel zu spät auf den Weg gemacht und sind insgesamt zum 3. Mal auf die Great Ocean Road gefahren. Es gibt zwar auch einen Weg durchs Inland, aber wir finden die Aussicht auf der GOR natürlich viel schöner und haben außerdem gehofft, mal schönes Wetter zu haben. Leider regnete es wieder mal, so wie die anderen beiden Male davor auch. Wir haben auch nicht groß angehalten zum Fotos machen, denn wir wollten wenigstens noch bis nach Lorne kommen (150 km von Melbourne). Dort in der Nähe gibt es einen freien Campingplatz, auf dem wir ja auch schon mit unseren Eltern im Januar waren. Dieses Mal war es sehr ruhig und wir hatten keinen Koala im Baum hängen… Die Nacht im Zelt war ziemlich kalt, aber noch auszuhalten mit unserer dicken Decke. Es hat die halbe Nacht geschüttet wie aus Eimern, nass wurden wir zum Glück aber nicht.

Wir haben den nächsten Morgen total verpennt und sind erst gegen 11 los gefahren. Wir erinnerten uns daran, dass wir an einem Stück neben der Straße letztes Mal einen Koala sahen. Dieses Mal hielt ich meine Augen auf und genau auf diesem Stück hingen wieder 5 Koalas! So fing der Tag schon gut an. Insgesamt sahen wir an diesem Tag noch mehr von diesen Kuscheltierchen, genau neben oder halt über der Straße hängen! Auch wenn wir mittlerweile schon viele gesehen haben, ich finde sie immernoch total niedlich und freue mich wenn ich welche sehe (das gleiche mit Kängurus). Das Wetter an diesem Tag war durchwachsen, erst hat es geregnet, dann war der Himmel kurz blau. Genau neben uns, auf der Seite wo das Meer war, konnten wir einen kleinen, kompletten Regenbogen sehen! Sowas sieht man ja auch nicht oft und eigentlich hätten wir anhalten und nach einem Schatz suchen müssen… 😉 Wir sahen das als eine Art Glücksbringer an.

Ein neuer Job?

Kurze Zeit später hatte Denny einen verpassten Anruf auf dem Handy. Da wir uns mittlerweile schon bei den verschiedensten Stellen beworben hatten, konnte das ja nur eins heißen: Jemand wollte ihn zum Bewerbungsgespräch oder gleich einstellen. Auf der Mailbox war eine Nachricht, dir wir uns 100 mal angehört haben und trotzdem nicht wirklich schlau draus wurden, der Australische Slang war da irgendwie zu heftig….. 😀 Denny rief zurück und es folgte ein kurzes Gespräch, das so endete, dass Denny in 2 Tagen nochmal zum Gespräch und zum Medizintest kommen soll. Das war ja schon mal ein gutes Zeichen, die würden ihn doch nicht testen wollen und ihn dann nicht einstellen oder? Ein bisschen eingedämmt wurde die Freude nur, weil der Typ am Telefon gleich schon gesagt hat, dass es 17,50 $ pro Stunde gibt wenn man neu anfängt und nach einer Zeit dann etwas mehr. Das ist der Mindestlohn in Südaustralien und nicht gerade viel, vor allem wenn nur einer von uns arbeitet. Wir dachten uns aber trotzdem besser als gar nichts und beschlossen, nach Naracoorte zu fahren, das ist die nächstgrößere Nachbarstadt zu dem Ort wo die Firma wäre. Noch waren wir aber zu weit weg und mussten eine Nacht campen, auf einem freien Campingplatz. Campen macht zur Zeit wirklich keinen Spaß, es ist einfach zu kalt um noch draußen zu sitzen… Ja, wir sind immer nur am meckern… Zu heiß, zu kalt…. 😀

Wanderung zu den Robben am Cape Bridgewater

Am nächsten Tag sind wir dank Wecker früher aufgestanden und fuhren nach Cape Bridgewater, wo die größte Robbenpopulation auf dem Festland von Australien lebt. Aus Spaß habe ich nochmal nach Arbeit geguckt und eine Anzeige für eine Molkerei gefunden, worauf ich uns beide einfach so beworben habe, zufälligerweise war der Ort der Farm sogar auch in der Nähe von Naracoorte, wo wir ja heute hinwollten.

Angekommen an dem Wanderweg, der zu den Robben führt, stand ein Schild, dass es 2,5 km sind. Ist ja ein Klacks, dachten wir. Aber schnell stellten wir fest, dass es nur bergauf ging, und zwar ganz schön steil, auf der Hälfte der Strecke haben wir sogar Victorias höchste Klippe erklommen. Das Wetter war an dem Tag total schön und die Sonne hat echt geknallt, sodass wir unsere Klamotten irgendwann einfach in den Busch geschmissen und später wieder mitgenommen haben. Die Umgebung des Wanderweges erinnerte uns irgendwie an die Butterwerbung aus Irland, wo ewige grüne Weiden mit grasenden Schafen zu sehen sind. Endlich angekommen bei den Robben, waren wir froh das wir das Fernglas diesmal nicht vergessen haben, denn ohne hätten wir nicht viel gesehen. Wir standen ziemlich weit oben auf einer Klippe und unten haben die Robben im Wasser gespielt. Der Wanderweg war insgesamt schön, aber etwas anstrengend, der Rückweg ist angenehmer weil es ja nur bergab ab. Wer aber denkt, dass er hier Robben von dichtem sehen kann, der täuscht sich. Übrigens ist die Strecke, die wir gelaufen sind, nur ein kleiner Teil eines 250 km langen Wanderweges entlang der Küste und uns kam auch eine Gruppe entgegen, die riesige Rucksäcke mit sich geschleppt hat und richtige Wanderklamotten an hatte. Na viel Spaß…

Wir werden Melker!

Als wir wieder im Auto saßen hatte ich einen Anruf und eine Mailboxnachricht auf dem Handy. Es war tatsächlich die Molkerei! Wir konnten es gar nicht glauben und haben uns halb tot gelacht, weil das ja eigentlich nur eine „Aus Spaß“ Bewerbung war. Es ist nicht so, dass wir diesen Job nicht machen wollen, eher im Gegenteil, seit wir in Australien sind wollte ich auf einer Farm mit Tieren arbeiten und endlich haben wir die Gelegenheit dazu. Trotzdem war es irgendwie witzig, weil wir nie damit gerechnet hätten, dass die sich zurück melden. Wir konnten noch am gleichen Tag vorbeikommen, um uns alles anzugucken und kennenzulernen. Schnell fuhren wir nach Naracoorte, eine Kleinstadt mit ca. 4000 Einwohnern. Ein bisschen erinnert dieses Städtchen an Kununurra, nur das es ungefähr 20 Grad kälter ist… Kurz im Hotel geduscht und weiter gings nach Lucindale, wo die Farm ist. Es sind ungefähr 50 km zwischen den Orten, wenn wir also einkaufen, dann am besten für länger, damit wir nicht ständig so weit fahren müssen.

Belinda, die Chefin, ist total nett und hat uns ein bisschen herumgeführt und uns den Stall mit den Kälbchen gezeigt. Ich hoffe, ich kann auch mal da arbeiten…. Der Chef, Andy, redet nicht so viel und macht eher einen muffeligen Eindruck, aber vielleicht täuscht das auch. Die eigentliche Molkerei ist ca. 10 km entfernt und da es schon dunkel war, sind wir dort nicht hingefahren. Aber wir haben uns, auch auf Grund des Gehaltes von 21,60 $, entschieden, hier anzufangen. Am nächsten Tag konnten wir in das Haus, wo vorher Belinda drin gewohnt hat, einziehen.

Wir wollten eigentlich vor 15 Uhr am nächsten Tag in dem Haus ankommen, um die anderen 3 Mitbewohner kennenzulernen und dann mit in die Molkerei zu fahren um zu gucken, aber wir haben ewig gebraucht um einzukaufen, wir brauchten ja noch komplett neue Arbeitsklamotten und auch Lebensmittel für mindestens eine Woche.

Gegen 16 Uhr kamen wir endlich an, das Haus ist hübsch und ganz nett eingerichtet, aber es ist wirklich arschkalt… Drinnen ist es sogar kälter als draußen. Es gibt zwar eine Klimaanlage, die man theoretisch auch zum heizen benutzen könnte, aber die funktioniert nicht. Dafür haben wir einen kleinen Kamin, der heizt das Haus gut an, aber leider scheint es so zu sein, das wir hinter dem Holz herbetteln müssen, denn das wird uns eigentlich zur Verfügung gestellt, aber so richtig Lust scheinen die Farmer nicht darauf zu haben, das Holz vorbeizubringen und auch das Abholen ist wohl etwas schwierig. Mal sehen wie sich das entwickelt, Wärmer wird’s ja erstmal nicht hier…

Nur einer unserer Mitbewohner war zu Hause, dieser war aber so nett und hat uns zur Molkerei gebracht, damit wir einmal gucken konnten, was auf uns zukommt. Dort lernten wir auch die anderen beiden kennen. Die Arbeit sieht echt einfach aus, im Gegensatz zum Melonen- und Kürbisernten ist das ja nichts… Dachten wir.

Einen Tag später hatten wir unsere erste halbe Schicht um angelernt zu werden. Und es ist gar nicht so einfach wie es aussieht. Die Kühe werden natürlich nicht per Hand gemolken, sondern mit kleinen Maschinen, an denen 4 Saugarme hängen. Diese Arme werden an die Zitzen gehängt, nachdem das Euter gewaschen und desinfiziert wurde. Das ist Dennys Aufgabe. Die Kühe stehen auf einer großen Plattform die sich dreht (es passen 60 Kühe drauf), sie kommen von draußen rein, werden an die Melkmaschine gehängt und drehen sich einmal im Kreis, wo sie dann am Ende wieder da raus gehen, wo sie reingekommen sind. Auch darauf muss Denny aufpassen, dass die Kühe von draußen reinkommen und raus gehen, wenn sie die Runde fertig haben, manchmal bleiben sie nämlich einfach in der Box stehen. Sollte eine Kuh doch noch eine Ehrenrunde drehen, muss das Futter gestoppt werden, damit sie nicht 2x was zu fressen bekommt. Ich stehe auf der gegenüberliegenden Seite von Denny und laufe die ganze Zeit neben der Plattform hin und her und gucke, welche Kühe fertig gemolken sind. Sind sie fertig, muss ich die Maschine abmachen und das Euter desinfizieren. Manchmal strampeln sich die Kühe die Maschine ab, dann muss ich sie wieder anhängen. Das hört sich einfach an und sieht auch einfach aus, aber es ist echt schwierig am Anfang, vor allem weil man die Handgriffe noch nicht so drauf hat. Außerdem muss ich aufpassen, dass keine Kuh aus der Box läuft und noch die Melkmaschine dran hat. Meistens dreht sich die Plattform zum Glück langsam, aber sobald sie schneller wird kommen wir ganz schön ins rotieren. Gestern hatten wir die erste Schicht wo wir fast alleine waren, nur eine andere war noch da, die auf uns beide ein bisschen gucken und helfen sollte. Wir haben insgesamt 850 Kühe, da weiß man am Ende des Tages was man gemacht hat…. 😀 Man muss aufpassen, wie man an die Kühe herangeht, sonst hat man schnell Rücken- oder andere Schmerzen, wenn man ständig die gleiche Bewegung macht. Dazu kommt, dass die Kühe oft herumtrampeln wenn man an dem Euter rumfummelt und einem alles mögliche ins Gesicht spritzt und auch die Gefahr, das man angekackt oder angepinkelt wird, ist ziemlich groß und uns hat es auch schon erwischt. Aus eigener Erfahrung kann ich auch sagen, dass eine Kuh ganz schön schwer ist wenn sie auf der Hand steht…

Jetzt die Frage: Macht der Job denn Spaß?

Ich glaube nicht dass wir unbedingt Spaß haben werden, zumal wir ja alleine arbeiten und keinen zum quatschen haben und den ganzen Tag nur Kuhhintern zu sehen ist auch irgendwann langweilig. Es ist einfach Fließbandarbeit und wenn wir nach ein bisschen Zeit die Routine haben, wird es wahrscheinlich einfach nur ein Job sein, den wir machen, aber der jetzt nicht besonders lustig in Erinnerung bleiben wird. Auf jeden Fall wird es eine Erfahrung sein. Das Geld stimmt aber und wir machen, wenn wir so sehen wie viel die anderen so arbeiten, viele Stunden, das heißt gutes Geld. 2 von denen, mit denen wir hier wohnen, sind am Montag gegangen, sodass wir jetzt nur zu 3. sind. Das heißt wohl jeden Tag arbeiten und kaum frei. Hier kann man sowieso nicht so viel machen, wir sind ja mitten im Nirgendwo und alles ist mindestens 40 – 50 km weit weg. Aber das ist andererseits auch gut um kein Geld auszugeben.

Wir melden uns demnächst wieder aus dem Kuhstall, wenn wir mehr berichten können und erzählen ein bisschen von unserem Örtchen und der Umgebung…. 😉

Bis denn dann,

Denny und Sarah

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Über Denny und Sarah

Moin, moin! Wir berichten in unserem Blog regelmäßig über unser großes Abenteuer - Work and Holiday in Australien. Wir sind beide Mitte 20 und haben bzw. hatten alles was man so hat : Job, Wohnung, Auto, Hund... Das alles aufzugeben ist ein großer Schritt und wir behaupten mal, alleine die Entscheidung unseren Traum wirklich durchzuziehen ist viel schwerer, als wenn man frisch aus der Schule kommt und "noch nichts hat". Wir berichten über alles so aktuell wie möglich und versuchen nicht so langweilig zu schreiben, damit hier auch gerne mitgelesen/mitgefiebert wird. ;) Wir wünschen euch viel Spaß beim mitlesen und über Feedback freuen wir uns auch. Solltet ihr Fragen oder Anregungen haben, schreibt uns gerne eine Nachricht. Liebe Grüße aus Lübeck Denny & Sarah
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