Fazit nach 6 Monaten im Outback

(Mir fällt keine coole Begrüßung mehr ein, deswegen lass ichs ab jetzt 😉 )
Wir haben es geschafft, die Farmarbeit ist vorbei. Wir waren 5,5 Monate durchgehend am arbeiten und haben fast 6 Monate hier gewohnt. Nun ist es aber soweit und wir brechen unsere Zelte ab, morgen ist der letzte Tag in einem Bett und mit einer Dusche, einem Herd, fließendem Wasser und allen anderen Dingen die man so braucht um zufrieden zu sein. Irgendwie ist das ein komisches Gefühl, ein bisschen so wie ganz am Anfang, als wir das erste Mal von Perth nach Kununurra gestartet sind.
Aber erstmal ziehe ich jetzt ein Fazit von der Zeit, die wir jetzt schon in Australien sind ( übrigens insgesamt 6 Monate und 16 Tage) und zur Abwechslung wird auch Denny heute mal was schreiben (sonst schreibe ich immer und Denny kümmert sich um das hochladen und beschriften der Fotos):
Für mich ist die Zeit hier total schnell vergangen, ich kann mir gar nicht vorstellen das wir schon so lange hier sind. Eigentlich wollten wir nur unsere Farmarbeit hier ableisten, also 3 Monate, jetzt sind wir aber doch bis zum Ende der Saison geblieben. Eigentlich könnte ich stolz darauf sein, solange hier durchgehalten zu haben, aber dadurch, dass ich am Ende ja nicht mehr auf dem Feld war, ist das Gefühl nicht so besonders….
Ich habe hier im Ort an einem Abend Babysitting gemacht – ICH! Habe ich in Deutschland noch alle ausgelacht, die mir erzählt haben, dass ich doch mal Babysitten könnte, ist es jetzt passiert und es war gar nicht so schlimm. 2 von 3,5 Stunden „The Walking Dead“ gucken ist ja leicht verdientes Geld. Außerdem habe ich an einem Tag ein Haus geputzt, nachdem die Mieter ausgezogen sind. Auch das war nicht wirklich anstrengend und hat nochmal ein bisschen extra cash gebracht. Diese Jobs würde ich in Deutschland nicht machen, aber hier ist die Situation ja anders, hier habe ich keinen festen Job und kann nicht jeden Monat Einkommen einplanen, da nimmt man schon jeden Dollar mit. Was ich allerdings nicht machen werde ist, auf irgendwelche dubiose Angebote einzugehen. Ich hatte eine Jobanzeige geschaltet auf die sich jetzt, 4 Wochen später, ein Typ gemeldet hat, der mir 1500 $ dafür geben wollte, dass ich mit ihm SMS schreibe. Bei solchen Angeboten überlegt man sich dann doch, ob man das Geld wirklich so dringend braucht, dabei war das ja noch harmlos, ich habe schon von einigen anderen Geschichten gehört.
Ich habe ein paar Sachen über Autos gelernt, zum Beispiel, dass man hier oben in der Hitze und wenn man auf Schotterpisten fährt, regelmäßig und oft das Öl kontrollieren muss (ich hatte KEINE AHNUNG von Autos, habe noch nie im Leben Öl kontrolliert vorher)… Ich weiß jetzt, dass wenn man sich ein Auto kauft, man es von oben und am besten auch von unten inspizieren sollte, damit man im Nachhinein nicht erfährt, dass man ein Loch im Boden hat und das man nicht jedem Mechaniker trauen sollte. Jetzt wo ich weiß, das unser „neues“ Auto nicht so das gelbe vom Ei ist, ist die Vorfreude auf den Trip ein bisschen gedämmt und es kommt wieder Angst ins Spiel: davor, dass das Auto mitten auf der Piste im Nirgendwo zusammenbricht und wir alles einfach stehen lassen und abhauen (und somit auch wieder viel Geld verlieren) und auch Angst davor, das hohe Reparaturkosten auf uns zu kommen. Trotzdem versuche ich positiv zu denken und daran zu glauben, das alles gut gehen wird, wenn ich nämlich eins bis jetzt hier in Australien gelernt habe dann das: Es geht immer schlimmer.
Mein Englisch hat sich mit der Zeit sehr verbessert, obwohl es noch immer schwer ist die Leute zu verstehen, wenn sie schnell reden und sich was in den Bart nuscheln. Auch habe ich Probleme, verstanden zu werden, das nervt manchmal schon, aber da muss ich wohl durch. Ich habe 2 englische Bücher gelesen und gucke Filme und Serien auf englisch.
Ich habe hier außerdem gelernt, das es in allen Ländern totale Vollidioten gibt, ich dachte eine Zeit lang, das es nur in Deutschland Leute gibt, bei denen man sich wundert, dass sie überhaupt den Weg aus dem Flughafen finden. Aber anscheinend gibt es in anderen Ländern genauso verblödete Menschen wie zuhause. Ich kannte früher in Deutschland keine „Ausländer“ bzw. keine Nicht-Deutschen, aber jetzt, wo ich mit den unterschiedlichsten Nationen zusammengearbeitet habe, kann ich ruhigen Gewissens sagen, es gibt nicht wirklich typische Unterschiede. Ich für meinen Teil kann nicht pauschal sagen, dass Franzosen faul und lahm sind oder dass Italiener temperamentvoll und laut sind, es gibt immer solche und solche.
Einen wichtigen Punkt habe ich noch gelernt: Es gibt ein „zu heiß“ für mich. Ich dachte immer, es gibt nichts schöneres als jeden Tag Sonne, nie regen und warmes Klima. Das mit dem Regen finde ich auch immer noch nicht schlimm – abgesehen davon, dass es natürlich dann überall vertrocknet aussieht. Aber diese Hitze, ich wusste nicht das Hitze so schlimm sein kann. Bei 39 oder 40 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von über 50% bewege ich mich nicht nach draußen wenn es nicht sein muss. Wenn ich aus meinem klimatisiertem Raum komme, dann trifft mich jedes mal der Schlag und ich fühle mich wie im Backofen. Und der Vergleich ist wirklich gut, also wer wissen will, wie es sich hier anfühlt: Schaltet den Backofen ein und haltet euren Kopf vor die offene Tür. Man schwitzt vom nichts tun, vom rum sitzen und selbst abends um 10 kriegt man noch Schweißausbrüche wenn man draußen sitzt und kurz zum Klo geht. Ich habe hier in Kununurra auch Kälte erlebt, nämlich morgens in der Trockenzeit. Da war es morgens so kalt, dass ich trotz einer Jacke und langer Hose gefroren habe. Müsste ich zwischen diesen beiden Klimas wählen, ich wäre mir gerade nicht sicher, ob ich morgens frieren und nachmittags schwitzen oder von morgens bis abends schwitzen nehmen würde.
Das Reisen mit Denny hat sich als viel angenehmer herausgestellt, als ich dachte. Am Anfang hatte ich etwas Angst, das wir uns nach kurzer Zeit nerven und nur die Köpfe einhauen, aber da wir es ja schon gewohnt waren zusammen zu wohnen und auch soweit die gleichen Interessen haben, geht bis jetzt alles gut 😉
Ansonsten kann ich eigentlich nur das Fazit ziehen, das „Outbackleben“ – wenn man es denn so nennen will – gar nicht so schlimm ist. Hier ist eigentlich jedes Wochenende was los gewesen, für jeden was dabei, es gibt ein Open-Air Kino in der Trockenzeit, da kommen die aktuellen Filme zwar ein paar Wochen später, aber immerhin. Vieles ist hier teurer, wie die Werkstätten zum Beispiel. Und wenn man mal was braucht, was es hier nicht gibt, dann muss man entweder ewig warten bis es per Post kommt oder man nimmt eine stundenlange Fahrt in Kauf. Trotzdem würde ich persönlich lieber näher an einer Küste wohnen, wo man zum Strand fahren kann und wo man nicht so extrem weit ab vom Schuss ist wie hier. Wenn die nächste Stadt eine Fahrtzeit von 2 Stunden oder so hätte, das wäre ok, aber so wie hier, wo alles 500 – 1000 km weit weg ist, das wäre nicht so mein Ding. Dabei habe ich schon die Kilometermesslatte, die ich als „gar nicht so weit“ ansehe, höher gesetzt. Nach Deutschland möchte ich auf jeden Fall erst mal nicht zurück, lieber würde ich hier bleiben oder für immer durch die Welt reisen 😉
Das war jetzt wieder mal ein langer Text von mir, jetzt lass ich Denny mal zu Wort kommen:

Hallo,
wir sind jetzt inzwischen 7,5 Monate in Australien, wovon wir die ersten 3 Wochen in Perth verbracht haben, schöne Stadt meiner Meinung nach. Eine moderne Großstadt in der Wüste Westaustraliens, danach 4 Wochen gereist, mit allen Höhen und Tiefen die das Autoleben zu bieten hat – mittlerweile kennen wir uns sogar schon etwas damit aus – nachdem dies und das repariert oder ersetzt werden musste….ja und danach 6 Monate in Kununurra, eine verträumte Kleinstadt im Herzen der Kimberleys. Am Anfang wollten wir unsere 3 Monate die ja Pflicht sind um länger hier zu bleiben machen, aber danach sahen wir es als Herausforderung die ganze Saison zu bleiben, natürlich auch um etwas Geld zu sparen. Das wir jetzt am Ende auch gut gebrauchen konnten, nachdem wir uns ein neues Auto besorgen mussten, weil unser altes den Geist aufgegeben hat. Jetzt heißt es nach 6 Monaten Abschied zu nehmen, vom Team auf der Farm, von unserer 1 Zimmer Luxus Wohnung mit Kühlschrank und Klimaanlage, von Kununurra. Jetzt heißt es wieder dreckige staubige Pisten, lange Autofahrten, schlafen bei 30 Grad Außentemperatur im Zelt, warme Getränke und all das ersparte Geld in die Tankstellen Australiens zu stecken… aber wir haben uns genau dieses ausgesucht, sonst wären wir nicht hier, raus aus der tristen Monotonie und rein ins Abenteuer.
Ob ich mich verändert habe? Keine Ahnung, dass müssen andere Entscheiden, ich finde nicht. Ich vermisse Fussball – immer noch, genauso wie meine Familie und natürlich meine Freunde. Was sich verbessert hat ist mein Englisch, Dinge lockerer zu sehen und wie gesagt etwas mit den Autos.. Unser Plan sieht jetzt wie folgt aus: Wir fahren jetzt über die Tanami Road nach Alice Springs, von dort aus hoch nach Darwin und dann wieder die Ostküste runter bis Sydney, wo wir dann auf meine Mutter und Sarahs Eltern treffen – ein langer langer Weg. Von Sydney aus fahren wir 5 dann gemeinsam nach Melbourne, dann fliegen unsere Eltern wieder zurück nach Deutschland. Wir werden dann entscheiden ob wir in Melbourne bleiben und dort den letzten Monat arbeiten oder weiter fahren nach Adelaide. Wahrscheinlich fliegen wir zwischen erstem und zweiten Jahr für einen Besuch nach Deutschland hinterher – ist aber noch nicht klar.

Bis nächstes Mal
Denny und Sarah

immer die Handtücher kontrollieren, bevor man sich abtrocknet

immer die Handtücher kontrollieren, bevor man sich abtrocknet

Advertisements

Über Denny und Sarah

Moin, moin! Wir berichten in unserem Blog regelmäßig über unser großes Abenteuer - Work and Holiday in Australien. Wir sind beide Mitte 20 und haben bzw. hatten alles was man so hat : Job, Wohnung, Auto, Hund... Das alles aufzugeben ist ein großer Schritt und wir behaupten mal, alleine die Entscheidung unseren Traum wirklich durchzuziehen ist viel schwerer, als wenn man frisch aus der Schule kommt und "noch nichts hat". Wir berichten über alles so aktuell wie möglich und versuchen nicht so langweilig zu schreiben, damit hier auch gerne mitgelesen/mitgefiebert wird. ;) Wir wünschen euch viel Spaß beim mitlesen und über Feedback freuen wir uns auch. Solltet ihr Fragen oder Anregungen haben, schreibt uns gerne eine Nachricht. Liebe Grüße aus Lübeck Denny & Sarah
Dieser Beitrag wurde unter Der Trip, Norden veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Erzähle uns, wie Dir dieser Artikel gefallen hat

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s