Einmal Broome und zurück

Howdy,
es gibt einiges neues. Fangen wir an bei der Frage der Woche: Was kostet die Welt? 😀
Letztes Mal war unser Bericht ja etwas negativ und depressiv, dafür wird dieser umso postiver.
Jetzt aber los:
Nachdem wir ja ein paar Wochen vergeblich auf Autosuche waren, haben wir nun eines gefunden. Zwar leider nicht in unserer Stadt, aber das war ja abzusehen. Die einzigen Möglichkeiten von hier in die nächsten größeren Städte zu kommen, ist der Greyhound Bus (ein Reisebus, der in vielen Orten in ganz Australien hält), das Flugzeug und eine Mitfahrgelegenheit mit dem Auto.
Letztes Wochenende war es dann so weit, wir haben unseren Rucksack gepackt und wollten mit dem Greyhound am Freitagabend nach Broome fahren, etwas über 1000 km und 13 Stunden Fahrt. Der Plan war wie folgt: Wir kommen Samstagmorgen um 7 in Broome an, essen irgendwo was, warten auf den Verkäufer, kaufen dann das Auto und machen uns umgehend auf den Weg zurück nach Kununurra, da wir ja Montag beide arbeiten mussten. Ca.10 Stunden Fahrt haben wir eingeplant, mit einer Übernachtung irgendwo, sonst ist das echt zu lang am Stück, vor allem weil der Highway langweilig ist, nur geradeaus und kaum andere Autos. Nun ja, eines kann ich schon mal vorweg nehmen – dieser Plan ging nicht auf, denn: Der Greyhound war tatsächlich voll! Nie im Leben hätten wir das erwartet, nicht ein einziger Platz war frei. Das war wieder mal typisch, wir hatten nicht im voraus gebucht, weil wir dachten, dass der Bus niemals voll sein konnte. Tja, falsch gedacht. So standen wir also da und konnten dem Bus hinterher winken. Plan B war, ein Mietauto zu nehmen und nach Broome zu fahren, es dann da abzugeben und mit unserem Auto zurückzukommen. Da die Autovermietungen aber schon alle zu hatten, blieb uns nichts anderes übrig als bis morgen früh zu warten. Also Wecker gestellt, sodass wir morgens um 7 gleich auf der Matte vom Autovermieter stehen. Am nächsten Morgen dann, nach dem Frühstück, hat Denny mal so spontan beschlossen, dass es viel bequemer ist, mit dem Flugzeug zu fliegen. Ich habe das nicht ernst genommen und für einen Scherz gehalten, ich weiß ja, das ein Flug 500 $ kostet. Das kann er ja unmöglich ernst meinen. Es stellte sich aber heraus, dass Denny ernst machen wollte, so haben wir abgemacht, dass er zum Flughafen geht und am Schalter fragt, für wie viel Geld die dort die Flüge verkaufen. Meine Hoffnung war ja, dass sie entweder zufällig billigere Flüge anbieten oder das Denny dann doch abgeschreckt ist und einfach das Mietauto holt. Als Denny mich dann vom Flughafen angerufen hat, war klar: Er hat 2 Flüge gebucht. Oh man. Ich habe dann unsere Rucksäcke nochmal umgepackt, sodass nichts im Gepäck ist, was nicht in den Flieger darf. Unsere Hostelmutti hat mich dann zum Flughafen gebracht und wir haben auf den Flieger gewartet. Ich glaube ich war noch nie an so einem winzigen und ruhigen Flughafen. So entspannt bin ich glaub ich auch noch nie in ein Flugzeug gestiegen, ohne Gedrängel und so weiter. Im Internet stand, dass der Flug 1,5 Stunden dauert. Kurz nachdem wir abgehoben sind, gab es dann sogar ein Sandwich und etwas zu trinken – das hätte ich nicht erwartet, ich wusste nicht das man auf solchen kurzen Strecken sogar Verpflegung bekommt, als ich einmal von Düsseldorf nach Rom geflogen bin gab es schließlich nicht mal Kotztüten, geschweige denn etwas zu essen oder trinken… Als wir aufgegessen haben und es gerade anfing langweilig zu werden auf einmal die Durchsage vom Kapitän: Wir werden jetzt gleich in den Landeanflug gehen und ca. viertel vor 1 landen. Erst dachten wir, dass wir das falsch verstanden haben(wir sind um 12 losgeflogen). Kann das sein? 45 Minuten Flug? Aber im Internet stand doch etwas von 1,5 Stunden Flug…? Wir wissen nicht, wie die Internetseite auf diese Zeit kam, Fakt ist jedoch, das wir um 12.50 Uhr gelandet sind und somit gerade mal 50 Minuten unterwegs waren. Schneller kann man echt nicht nach Broome kommen. Es war ein gutes Gefühl wieder in Broome zu sein, hier gefällt es mir richtig gut.
Ich habe mich dann mit dem Verkäufer in Verbindung gesetzt, der dann auch direkt zum Flughafen kam. Er ist ursprünglich aus Österreich, so konnte er uns einiges auf „Deutsch“ erklären. Wir dachten die ganze Zeit, es handelt sich um einen Toyota Hilux, so sah es auf dem Bild aus. Dann der erste Schock für mich: Es ist ein Mazda Bravo! Mazda… Habe ich jemals so ein Auto in Australien gesehen? Gibt es das hier oft? Was ist mit Ersatzteilen? Teuer, billig, gibt es überhaupt welche? Laut Verkäufer sind die Ersatzteile billig, aber er wäre ja auch blöd etwas anderes zu sagen. Sonst sieht das Auto aus wie auf den Bildern, etwas rostig, aber gut, das ist ja nicht so schlimm. Was jedoch ziemlich schlimm ist: Die Reifen. Auf 3 Reifen ist so gut wie kein Profil mehr drauf, auf dem 4. und dem Ersatzrad nur noch wenig. Als er mir die Details zum Auto per Facebook geschrieben hat, hat er noch geschrieben dass das Auto „Mud Tyres“ hat (also extra für Matsch und halt robuste Reifen). Das man eigentlich gar nicht mehr mit den Reifen fahren darf, hat er nicht erwähnt. Mein erster Gedanke war: Shit, was machen wir jetzt? Jetzt sind wir her geflogen, haben soviel Geld bezahlt und dann das… Eigentlich wollten wir es niemandem erzählen, aber jetzt sind wir ja zuhause heile angekommen, also brauchen wir auch kein Geheimnis draus machen: Wir sind jetzt also über 1000 km mit Reifen ohne Profil durch die Pampa gefahren, aber immerhin auf dem asphaltierten Highway… Sowas würden wir normalerweise nie machen und das erste was wir als nächstes kaufen sind neue Reifen. Bei dem Dachgerüst bin ich mir auch nicht ganz sicher, ob da unser Zelt drauf passt. Aber gut, dass kann man zur Not auch verkaufen oder so. Wir haben dann eine Probefahrt gemacht und die war gut. Das Auto hat eine Klimaanlage und ein UHF Radio, also ein Funkgerät. Wir können jetzt mit den Roadtrainfahrern reden 😀 Außerdem ein Plus: Der riesen Tank – 140 L. Da kommt man schon n Stück mit. Als wir die Probefahrt beendet haben, war eines klar: 6000 $ ist zu viel. Wir haben dann gesagt, das wir das Auto für 5000$ nehmen, im Nachhinein hätten wir wahrscheinlich bei 4500$ anfangen sollen, aber wir dachten das ist ein bisschen zu dreist.
Am Ende haben wir das Auto für 5200$ gekauft, alles direkt am Flughafen abgewickelt.
Nachdem wir den 140 L Tank gefüllt hatten und nochmal kurz bei Woolworths waren (was ein echter Kulturschock war, weil wir seit Monaten nur den kleinen Coles gewöhnt sind und dagegen der Woolworths riesig war), haben wir uns halb 3 auf den Weg nach Hause gemacht. Schon nach kurzer Zeit, vielleicht 1 Stunde Fahrt, wurde der Himmel immer dunkler und wir konnten Blitze sehen. Da kommt gleich was runter, das war uns klar. Aber was dann tatsächlich alles aus den Wolken kam, hab ich selten erlebt. Es hat so doll geschüttet, das wir die Straße nicht mehr sehen konnten. Das war wirklich krass! Zum Glück war das nur kurz, danach hat es noch ein bisschen „normal“ geregnet und eine halbe Stunde später war schon alles vorbei und die Sonne kam wieder raus. So ist es also in der Regenzeit hier, nur dass es dann jeden Tag und länger als eine halbe Stunde regnet. (Die Regenzeit hat ja hier jetzt seit Oktober angefangen). Das schlimme ist, dass es nicht wirklich kälter wird wenn es regnet, es bleibt so heiß wie vorher und das einzige was passiert ist, dass die Luftfeuchtigkeit noch höher steigt.
Unser Ziel für diesen Tag war, bis nach Fitzroy Crossing zu kommen, das ist ein kleiner Ort mit 3500 Einwohnern, der liegt ca. in der Mitte zwischen Broome und Halls Creek (welches auch nochmal ca. 400 km von Kununurra entfernt ist). Ca. 100 km vor Fitzroy Crossing kam Denny wieder eine glorreiche Idee, nämlich dass wir doch heute noch bis nach Hause fahren können, er ist ja noch nicht müde. Eine Stunde Später, es war mittlerweile dunkel und wir waren kurz vor dem Ort, hat Denny dann zum Glück eingesehen, dass es zu gefährlich ist nachts zu fahren und dass er doch langsam müde wurde. Wir haben dann also die verschiedenen Unterkünfte abgeklappert, 3 an der Zahl. Als erstes sind wir zu dem Campingplatz gefahren, dort gab es auch kleine Häuschen auf Stelzen. Am Büro hing ein Zettel, dass man klingeln soll. Es war ca. um 7, also nicht wirklich spät. Ich habe geklingelt, Denny hat im Auto gewartet. Neben dem Haus stand ein Wohnwagen, dort kam ein Mann raus, aber anstatt die Tür zu öffnen, hat er sich erst mal hingesetzt und eine geraucht. Er hat sowohl das Auto gesehen und wahrscheinlich auch das klingeln gehört. Weil er aber keine Anstalten gemacht hat zu uns zu kommen, sind wir wieder gefahren. Wenn er unser Geld nicht will, dann eben nicht! Die anderen beiden Unterkünfte waren Hotels, beide wollten ernsthaft 160 $ für eine Nacht! Das war uns dann doch zu teuer und weil alle, die wir nach Zimmern gefragt haben sich gewundert haben, wieso der Campingplatz-Mann nicht aufgemacht hat, haben wir beschlossen, nochmal unser Glück zu versuchen. Erst haben wir angerufen, es ging keiner ran. Wir fanden das zwar ein bisschen komisch, aber sind dann trotzdem nochmal hingefahren. Diesmal ist Denny zur Tür gegangen, es war mittlerweile vielleicht halb 8. Und jetzt kam der Typ auch raus, mit nacktem Oberkörper, der dicke, weiße Bauch hat Denny direkt geblendet. „Was zur Hölle machst du hier?“ wollte der Mann ärgerlich wissen, der hatte aber schlechte Laune. Als Denny sagte, er wollte einen Raum für die Nacht, war die Antwort nur „Das Büro ist geschlossen!“. Dann hat Denny lieber den Rückzug angetreten, der Typ hat ihm noch hinterher geflucht. Das war also unsere erste Erfahrung mit einem ziemlich mies gelauntem Australier….
Weil wir trotzdem nicht solche hohen Zimmerpreise zahlen wollten, fuhren wir weiter, bis zum nächsten Parkplatz außerhalb der Stadt und die unbequemste und heißeste Nacht seit langem folgte. Denny hat auf dem Beifahrersitz geschlafen, ich habe mich auf die Rückbank gelegt, was eine doofe Idee war, denn die Rückbank ist weder breit noch lang genug, um auch nur einigermaßen bequem darauf zu liegen. Dazu kam noch, das wir die Fenster nur einen kleinen Spalt auf hatten, weil wir doch etwas Schiss vor irgendwelchem Kriechzeug hatten, welches ins Auto kommen könnte. Die Luft in dem Auto war schnell so verbraucht, dass ich dachte ich ersticke gleich. Ohne mich zu bewegen war ich so nassgeschwitzt, dass man denken könnte, ich habe geduscht. Ich war kurz davor, nach draußen zu gehen und dort zu schlafen, aber ich dazu hatte ich dann wieder zu viel Angst vor Dingos oder irgendwelchen irren, die im Busch sitzen und nur darauf warten, mich mit einer Machete zu killen (jaaaaa ich weiß, viel zu viele Horrorfilme)…
Irgendwann war diese Horrornacht dann zum Glück vorbei und kaum wurde es ein bisschen hell, fuhren wir weiter. Highway fahren ist echt öde, es geht immer nur geradeaus….. Es gab nicht wirklich was interessantes zu sehen. Kurz: Das war die langweiligste Autofahrt bis jetzt.
Als wir dann irgendwann gegen 9 kurz vor Halls Creek waren und wir uns gewundert haben, wie weit wir wohl mit dem Tank noch kommen, weil die Tankleuchte noch nicht an war aber die Nadel vor kurzem auf dem untersten Strich gelandet war, ging das Auto plötzlich aus. Das erste Gefühl war Panik, aber schnell beruhigten wir uns, denn eigentlich konnte es nur der Tank sein, welcher anscheinend genau jetzt leer ist……. 2 km vor Halls Creek. Manchmal haben wir aber auch ein Pech…. Naja, wenigstens wird’s nie langweilig….
Wir haben uns dann an die Straße gestellt und nach ein paar Minuten kam ein Auto vorbei, dass wir angewinkt haben. Die 2 Frauen haben uns nur angeguckt und sind weiter gefahren. Ich dachte ich spinne, so was hätte ich nun nicht erwartet. Aber gut. 2 Minuten später kam aus der anderen Richtung ein Auto und wir versuchten es nochmal. Wir bemerkten, dass dies das gleiche Auto war, also hatten die Frauen umgedreht. Sie haben gefragt ob alles in Ordnung ist und leider kein Benzin dabei gehabt, dafür haben sie Denny dann mit in den Ort genommen (zusammen mit 6 Hunden) und auch wieder zurück gebracht. Ich habe in der kurzen Zeit das Auto bewacht, wenn hier nämlich ein Auto am Straßenrand steht und keiner da ist, dann wird es ausgeschlachtet und alles genommen, was man gebrauchen kann. Als Denny wieder da war, haben wir den Tank mit einem Benzinkanister für satte 65 $ (!!!) – das Benzin noch nicht dazu gerechnet – gefüllt und konnten Gott sei Dank weiterfahren. Wir sind mit unserem Tank ca. 690 km gekommen, ohne einmal zu tanken.
Die restlichen 400 km verliefen ereignislos und gegen halb 1 waren wir dann zuhause.
Mittlerweile haben wir heraus gefunden, dass unser Auto gar keine Tankleuchte hat…….
Bis jetzt sind wir zufrieden mit dem Auto, hoffentlich bleibt das so.

Die 2. Neuigkeit ist, das unsere letzte Woche hier jetzt angefangen hat. Die letzten Kürbisse werden wahrscheinlich Dienstag oder Mittwoch geerntet, ich werden dann auch wieder auf die Farm zum packen gehen. Letzte Woche war ich fast jeden Tag da, das war nicht schlecht fürs Geld. Aber es ist echt unerträglich heiß, wenn ich nicht arbeiten muss, gehe ich nicht raus. Mann kann sich das nicht vorstellen, aber es ist wirklich wie im Backofen sobald man aus seinem Klimatisiertem Zimmer kommt. Man ist schon durchgeschwitzt wenn man nur irgendwo sitzt und nichts macht. Mittlerweile ist es auch nachts nicht mehr kalt, ca.27 Grad, wenn ich daran denke dass wir bald wieder im Zelt schlafen……. Wir bleiben noch bis zum Wochenende in Kununurra und werden dann wahrscheinlich Samstag oder Sonntag losfahren – erst in die Bungle Bungles, das ist ein Nationalpark und dann über die Tanami Road, eine über 1000 km lange Schotterpiste durch die Tanami Wüste, nach Alice Springs.
Wir gehen mit einem lachendem und einem weinendem Auge, nach fast 6 Monaten hier haben wir uns schon ziemlich eingelebt und eigentlich ist es hier gar nicht so schlimm. Andererseits freuen wir uns auch auf die neuen Abenteuer, die jetzt bevorstehen.
Vielleicht schreiben wir nochmal einen Bericht bevor es los geht, mit ein paar mehr Details über die nächsten Pläne.

Bis nächstes Mal
Denny und Sarah

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Über Denny und Sarah

Moin, moin! Wir berichten in unserem Blog regelmäßig über unser großes Abenteuer - Work and Holiday in Australien. Wir sind beide Mitte 20 und haben bzw. hatten alles was man so hat : Job, Wohnung, Auto, Hund... Das alles aufzugeben ist ein großer Schritt und wir behaupten mal, alleine die Entscheidung unseren Traum wirklich durchzuziehen ist viel schwerer, als wenn man frisch aus der Schule kommt und "noch nichts hat". Wir berichten über alles so aktuell wie möglich und versuchen nicht so langweilig zu schreiben, damit hier auch gerne mitgelesen/mitgefiebert wird. ;) Wir wünschen euch viel Spaß beim mitlesen und über Feedback freuen wir uns auch. Solltet ihr Fragen oder Anregungen haben, schreibt uns gerne eine Nachricht. Liebe Grüße aus Lübeck Denny & Sarah
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